Bankomaten-Fallen: Hätten Sie diesen Betrug bemerkt?

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"Guten Tag, hier spricht Ihre Bank." Nervosität macht sich bei mir breit. Wenn meine Bank auf meinem Mobiltelefon anruft, kann das nur ein schlechtes Zeichen sein. "Wir mussten Ihre EC-Karte sperren, sie ist vermutlich kopiert worden." Wusste ich's doch.

So ein Ärger, wo ich gerade in Serbien bin, kein Bargeld mehr habe und mich auf die ständige Verfügbarkeit von maestro-Bank-Automaten verlassen hatte. Aber bevor mir diese kleineren unangenehmen Schwierigkeiten einfallen, sind meine ersten Fragen: "Wo? Wann? Wurde Geld von meinem Konto abgebucht?" Die Bankangestellte kann keine dieser Fragen beantworten. Leider. "Waren Sie letztes Jahr in den USA? Es wird vermutet, dass Ihre Karte dort kopiert worden ist. Genaueres ist nicht bekannt. Es handelt sich hierbei um eine reine Sicherheitsmaßnahme. Bitte beobachten Sie Ihre Kontobewegungen und teilen Sie uns mit, wenn Ihnen etwas verdächtiges auffällt." Jede Gewissheit wäre mir lieber gewesen. Wo finde ich jetzt nur Bargeld in Novi Sad?

Nachdem sich meine erste Aufregung durch eine Welle von Kraftausdrücken etwas Luft verschafft hat, überlege ich angestrengt, ob ich mich an irgendeinen dubiosen Geldautomaten erinnnern kann. Keine Chance. So sehr ich mich auch gegen diese Gewissheit sträube, so muss ich doch einsehen, dass ich den Betrug nicht einmal bemerkt habe. Wahrscheinlich auch nicht wieder bemerken würde. Denn die Techniken, die inzwischen von EC-Karten-Betrügern angewandt werden, sind enorm professionell und kaum noch zu entdecken.

Brian Krebs, ein Journalist der Washington Post hat sich die Mühe gemacht, eine solche professionellen Kartenkopier-Vorrichtung zu dokumentieren. Fast nicht sichtbar wird diese Vorrichtung an einen Bankomaten angebracht und kopiert sämtliche Karten, die an diesem manipulierten Bankomaten Geld abheben. Damit der Betrug auch wirksam ist, nimmt eine kaum sichtbare Kamera dann die Eingabe der PIN auf. Die Betrüger haben so den kompletten Zugang zum Konto des Betroffenen, der das Kopieren mit größter Wahrscheinlichkeit nicht bemerkt hat.

Krebs fragt in seinem Blog: "Hätten Sie diesen Betrug bemerkt?" Nein, das hätte ich nicht - ebenso wenig wie die meisten anderen Menschen, denen ich diese Bilder zeigte. Das erstaunlichste daran: Kamera und Kopiervorrichtung sind nicht nur nahezu unerkennbar, sondern auch noch aus einem mp3 Player gebastelt. Der Blog von Brian Krebs ist zwar englisch-sprachig, aber die Bilder sind auch für nicht-englisch Verstehende beeindruckend.