Wie schnell aktualisieren Nutzer auf die neueste Browserversion?

Browser-Diagramm
Wie viele der Besucher von «Verbraucher sicher online» aktualisieren ihre Webbrowser, und wie viele nutzen noch alte Versionen? Eine kleine Statistik.

Vor einiger Zeit fiel mir eine interessante Browserstatistik in einem Artikel des Technologiemagazins „Ars Technica“ auf. Zunächst werden die üblichen Zahlen gezeigt, welche Anteile die populären Browser in der Welt haben.

Darüber hinaus aber wird für die Browser Internet Explorer, Firefox und Chrome gezeigt, wie viele Nutzer die jeweils aktuelle Version benutzen, und wie viele noch alte Browserversionen. Dies ist vor dem Hintergrund interessant, dass die Browserhersteller mit unterschiedlichen Mitteln versuchen, die Nutzer dazu zu bringen, den Browser auf die neueste Version zu aktualisieren.

Ich habe daher die Besucherstatistiken von «Verbraucher sicher online» in gleicher Weise aufbereitet. Für Google Chrome, Mozilla Firefox und Microsoft Internet Explorer zeigen die Grafiken, wie viele Besucher in den jeweiligen Monaten von 2011 welche Version des jeweiligen Browsers benutzt haben.

Google Chrome

Google hat mit seinem Browser Chrome eingeführt, was andere Browserhersteller dann aufgriffen: Zum einen einen schnellen Versionswechsel, bei der alle ein bis zwei Monate eine neue Hauptversion herausgegeben wird. Die vorigen Versionen sind jeweils 'veraltet' und werden nicht mehr aktualisiert oder unterstützt.

Zum anderen eine vollautomatische Aktualisierung: Chrome lädt und installiert vollautomatisch bei Erscheinen die neueste Version im Hintergrund, ohne dass der Nutzer irgend etwas tun muss. Ganz im Gegenteil wird es ihm schwierig gemacht, diesem Automatismus zu entfliehen: In den Browsereinstellungen findet sich keine Möglichkeit, ihn auszuschalten.

Google möchte offensichtlich verhindern, dass die Nutzer ältere Versionen verwenden. Unsere Grafik, wie auch die des oben genannten „Ars Technica“-Artikels zeigt, dass diese Rechnung weitgehend aufgeht.

Browseranteil von Chrome bei Verbraucher sicher online, Jan.-Nov. 2011Browseranteil von Chrome bei Verbraucher sicher online, Jan.-Nov. 2011

 

Die überwiegende Mehrheit der Nutzer verwendet die jeweils aktuelleste Chrome-Version. Gleichzeitigt sieht man aber unten rechts in der Grafik, dass es durchaus Nutzer gibt, die noch ältere Versionen benutzen: im November waren es bei uns immerhin ca. 14% der Chrome-Nutzer. Es bleibt zu beobachten, ob dieser Anteil zukünftig noch wachsen wird.

Mozilla Firefox

Mozilla hat in diesem Jahr begonnen, das Google-Modell partiell zu übernehmen. Schneller Versionswechsel: Seit Firefox Version 4 erscheinen neue Hauptversionen im Monats- bis Zwei-Monatstakt. Derzeit (Anfang Dezember 2011) aktuell ist Version 8, aber die Versionen 9 und 10 stehen schon in den Startlöchern. Daneben wird noch Firefox 3.6 aktiv unterstützt, in Form von Sicherheitsaktualisierungen (derzeit aktuell: Version 3.6.24).

Automatische Aktualisierung Im Unterschied zu Google Chrome läßt sich die automatische Aktualisierung in den Eintellungen von Firefox in den Browsereinstellungen abstellen (dann fragt Firefox nach, ob aktualisiert werden soll). Dies scheint sich auch in der Nutzerstatistik bei Ars Technica als auch bei uns widerzuspiegeln.

Browseranteil von Firefox bei Verbraucher sicher online, Jan.-Nov. 2011Browseranteil von Firefox bei Verbraucher sicher online, Jan.-Nov. 2011

Die 'alte' Version 3.6 (veröffentlicht 1/2010) ist von knapp 90% aller Firefox-Nutzer auf 12,7% im November 2011 zurückgegangen. Dies zeigt die generell Akzeptanz der neuen Versionsserie. Gleichzeitig erkennt man, dass bei jeder neuen Hauptversion ein Teil der Nutzer den Browser nicht aktualisiert. Im Oktober wechselten nur etwa zwei Drittel der Firefox-Nutzer auf die neue Version 7 (erschienen 27.9.2011). Der November zeigt nur 40% mit Firefox 8 (erschienen 8.11.2011), 34% blieben noch bei Version 7, und immerhin 10% bei den Versionen 4-6. Es ist unklar, warum die automatische Aktualisierung hier bei vielen nicht angewendet wird. Chrome scheint jedenfalls mit der Entscheidung, keine Einstellung zum Abschalten der automatischen Aktualisierung anzubieten, mehr Erfolg zu haben.

Microsoft Internet Explorer

Microsoft Internet Explorer hat sich bisher nicht dem Trend eines schnellen Versionswechsels angeschlossen. Allerdings wird Microsoft wohl Internet Explorer 10 vor den zwei Jahren veröffentlichen, die es zwischen Version 8 und Version 9 gebraucht hat.

Die Aktualisierung von Internet Explorer geschieht nicht aus dem Browser selber, sondern über "Windows Update", den Aktualisierungsmechanismus des Betriebssystems. Der aktuelle Internet Explorer 9 wird inzwischen als "wichtiges Update" gekennzeichnet. Hat der Benutzer also in Windows Update die automatische Aktualisierung "wichtiger Updates" gewählt, dann wurde automatisch auf Internet Explorer 9 aktualisiert.

Browseranteil von Internet Explorer bei Verbraucher sicher online, Jan.-Nov. 2011Browseranteil von Internet Explorer bei Verbraucher sicher online, Jan.-Nov. 2011

Schon seit einiger Zeit versucht Microsoft, Benutzer dazu zu bewegen, auf Internet Explorer 9 zu wechseln. Bei uns verringerte sich der Anteil der alten Versionen immerhin von 32% im Januar zu 21% im November. Version 9 (veröffentlicht April 2011) konnte immerhin knapp ein Drittel unserer Besucher überzeugen, während knapp die Hälfte noch Internet Explorer 8 verwendet. Der Anteil des (vor 10 Jahren veröffentlichten") Internet Explorer 6 hat sich von 10% im Januar auf 5% im November halbiert, Internet Explorer 7 (5 Jahre) von 22% auf 15%. Version 8 benutzen noch knapp die Hälfte (46%) der aller Internet-Explorer-Nutzer bei uns. Ein stetiger wenn auch langsamer Wechsel zu neueren Internet-Explorer-Versionen.

Browseranteile bei unseren Besuchern

Zu guter Letzt noch die üblichen Statistik, wie viele Besucher welchen Browser benutzen. Weder unsere Statistiken noch diejenigen, die in Artikeln bei Ars Technica oder auch bei Heise Online (für ihr Portal) können Repräsentativität für sich beanspruchen. Als Zeitraum für die Zahlen zeigen wir hier im Unterschied zu den vorigen Grafiken, aber parallel zum Heise-Online-Artikel, die Zahlen für Oktober 2010 und 2011.

  Oktober 2010  Oktober 2011 Veränderung
Internet Explorer 31,9% 28,2% -11,6%
Firefox 47,1% 48,5% +3,0%
Chrome 3,7% 6,2% +67,6%
Safari 9,9% 10,2% +3,0%
Opera 2,4% 2,9% +20,8%

(Anteile der Betriebssysteme der Besucher von „Verbraucher sicher online“ im Oktober 2011: Windows 7 34,6%, Windows XP 33,0%, Mac OS X 12,9%, Windows Vista 11,8%, Linux 4,0% und sonstige.)

Die deutlichste Veränderung ist bei Chrome zu verzeichnen, wobei der absolute Anteil (6,2%) immer noch sehr gering ist. Dies steht dem weltweiten Trend entgegen (Heise-Artikel), nach der Chrome mehr Nutzer als Firefox haben soll. Ansonsten ist der Trend bei uns vergleichbar mit dem bei Heise: Internet Explorer geht leicht zurück, Chrome gewinnt. Aber wie gesagt, keines dieser Statistiken erhebt Anspruch auf Repräsentativität. Interessant sind sie trotzdem.