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BKA: "Phishing ist der Bankraub des 21. Jahrhunderts"
Die Kriminalität im Internet nimmt weiter zu. Auf diese Aussage lässt sich der am Mittwoch in Berlin vorgestellten Bericht des Bundeskriminalamtes (BKA) zur Informations- und Kommunikationskriminalität (IuK-Kriminalität) zusammenfassen.
Jörg Ziercke, Präsident des Bundeskriminalamts (BKA) stellte in Berlin das "Bundeslagebild zur IuK-Kriminalität" vor. Dem Bericht zufolge sind 2009 insgesamt 207.000 Straftaten mit dem "Tatmittel Internet" in Deutschland erfasst worden. Vom "Tatmittel Internet" ist beim BKA die Rede, wenn ein Täter das Internet benutzt, um eine Straftat zu begehen.
Von dieser hohen Zahl von Straftaten bewertet das BKA 50.000 Fälle als Computerkriminalität (Cybercrime) im engeren Sinne. Dazu zählen Betrugsfälle, in denen mittels gefälschter E-Mails oder Phishing-Webseiten versucht wird, Zugangsdaten zum Online-Banking auszuspähen.
"Phishing ist der Bankraub des digitalen Zeitalters", so Ziercke. Fast 3.000 Fälle habe es 2009 gegeben. Das sei ein Anstieg gegenüber 2008 von 64 Prozent. "Man kann gar nicht so viel ermitteln wie zurzeit passiert", kommentiert Michael Hange, Chef des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI), die Gefahren durch Computerkriminalität.
Dass die Internet-Kriminalität zunimmt, ist angesichts der Tatsache, dass immer mehr Menschen in Deutschland das Internet nutzen, nicht überraschend. Nach Studien des Branchenverbandes Bitkom erledigten im Jahr 2009 bereits 24 Millionen Bundesbürger ihre Bankgeschäfte online. Demgegenüber erscheint die Zahl von 3.000 bekannt gewordenen Fällen von Phishing nicht besonders hoch.
Vergleicht man die 207.000 Straftaten aus dem BKA Bericht mit den mehr als sechs Millionen Delikten, die in Deutschland 2009 verzeichnet wurden, könnte man auf den ersten Blick meinen, dass Computerkriminalität bisher kein allzu großes Problem sei. Betrachtet man hingegen die Entwicklung der letzten Jahren, so zeigt sich ein Anstieg dieser Delikte von mehr als 30 Prozent allein von 2008 auf 2009. Im Vergleich mit 2005 hat sich die Zahl der Computerstraftaten sogar verdoppelt.
Der Bericht richtet aber auch ein Augenmerk auf die Methoden der Täter. So betont Ziercke, dass in zwei Dritteln der Phishing-Fälle gefälschte E-Mails inzwischen keine Rolle mehr spielten. Größere Bedeutung haben so genannte "drive by infections" bekommen. Dabei installiert sich Schadsoftwares bereits beim Aufrufen einer infizierten Webseite auf dem Rechner des Nutzers.
Immer häufiger werden auch Profile in sozialen Netzwerken dazu benutzt, um andere auf solche gefährlichen Seiten zu locken. Das belegt auch eine aktuelle Studie der Sicherheitsfirma Kaspersky. Danach ist mit Facebook erstmals ein soziales Netzwerk zum Top-Ziel von Phishing-Attacken geworden. Nach den traditionellen Phishing-Zielen PayPal, Ebay und der internationalen Bank HSBC belegt Facebook mit 5,7 Prozent erstmals den vierten Platz aller Phishing-Attacken.
Weiter geht das BKA davon aus, dass schädliche Software auf Smartphones in Zukunft eine größere Rolle spielen wird. "Die Handy-Viren sind auf dem Vormarsch", lautet Zierckes Analyse. Laut einer Bitkom-Studie soll es 2010 bereits 8,2 Millionen Smartphones in Deutschland geben. Mit der steigenden Verbreitung von Smartphones wachse auch der Missbrauch in diesem Bereich.






