Abenteuer im Mediendschungel

Einführung im Thema Digitale Inhalte nutzen
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Digitale Inhalte richtig nutzen
Ist Ihnen das auch schon einmal passiert? Sie legen die neue CD in den CD-Player im Auto und es kommt kein Ton heraus. Oder Ihr MP3-Player weigert sich, die im iTunes-Shop gekauften Musikdateien abzuspielen. Solche Probleme haben oft etwas mit Dateiformaten oder Kopierschutz zu tun. Wir erklären, worauf man bei der Nutzung von digitalen Inhalten achten muss.

Vom Analogzeitalter...

Früher, im „Analogzeitalter“ war alles viel einfacher. Musik hörte man im Radio oder von der Schallplatte. Wenn man die Musik für unterwegs überspielen wollte, nahm man eine Musikkassette. Filme konnte man sich im Kino, Fernsehen oder auf Videokassette anschauen. Zum Speichern kam nur die Videokassette in Frage. Fotos machte man mit Filmen und betrachtete sie auf Abzügen. Ein Buch war ein Buch und Zeitungen gab es auf Papier. Das war es dann im Prinzip auch schon. Für die Mediennutzung brauchte es keine Spezialkenntnisse. Und wenn man ein Buch, ein Video oder eine LP verleihen wollte, stellte das kein Problem dar. Der Empfänger wusste schon, was damit zu tun ist.

... ins Digitalzeitalter

Heute ist alles anders, heute ist alles digital. Musik, Filme, Fotos, Bücher – alles ist zu digitalen Inhalten geworden. Mit der Digitalisierung haben sich die Erscheinungsformen von Inhalten – und die Medien auf denen sie gespeichert sind – grundlegend verändert. Es haben sich auch völlig neue Vertriebswege und Nutzungsformen etabliert. Kurz gesagt, die Mediennutzung ist unübersichtlich geworden. Die vielen neuen Möglichkeiten stellen die Verbraucher vor mindestens ebenso viele Herausforderungen. Musik können Sie nicht mehr nur im Laden kaufen, sondern auch im Internet oder per Mobiltelefon. Dasselbe gilt für Filme und neuerdings auch Bücher. Die heißen dann aber E-Books und lassen sich oft nur mit speziellen Lesegeräten nutzen. Unterm Strich müssen Sie sich deshalb oft schon vor dem Kauf digitaler Inhalte ganz genau überlegen, wie und wo Sie diese nutzen wollen. Die folgenden Abschnitte geben einen Überblick über die wichtigsten Punkte der Nutzung digitaler Inhalte.

Datenträger: CD, DVD, Blu-ray & Co.

Wer sich Musik und Filme noch nicht im Internet kauft, erwirbt digitale Inhalte üblicherweise auf Datenträgern. Im Musikbereich hat sich die Musik-CD als wichtigster Datenträger behaupten können. Weder Digitalkassette (DAT oder DCC), MiniDisc (MD) noch die hochauflösenden DVD-Audio (DVD-A) oder Super-Audio-CD (SACD) konnten der CD den Rang streitig machen.

Abspielgeräte für DAT, DCC und MD können Sie praktisch nur noch gebraucht kaufen, vorbespielte Datenträger ebenfalls. Im DVD-Audio- und SACD-Format erscheinen neue Tonträger nur noch in geringem Umfang. Ältere Bestände finden Sie noch im Versandhandel.

Eine DVD-Audio lässt sich nur auf einem speziell dafür gebauten DVD-Player abspielen. Dabei handelt es sich meist um hochwertige, teure Geräte. Neue Super-Audio-CDs erscheinen praktisch immer als so genannte Hybrid-Versionen. Diese lassen sich auch mit normalen CD-Playern anhören. Um allerdings in den Genuss der höheren Musikqualität zu kommen, die SACD bietet, benötigt man wieder einen speziellen, teuren CD-Player. Im Handel sind auch hochwertige DVD-Player erhältlich, die sowohl Datenträger im DVD-Audio- als auch im SACD-Format abspielen können.

Auf dem Computer lassen sich Musik-CDs normalerweise problemlos abspielen und kopieren – wenn sie nicht mit Kopierschutz oder digitalem Rechtemanagement (DRM) versehen sind. (Dazu unten mehr.) Hybride SACDs lassen sich nur in normaler CD-Qualität auf dem Computer anhören und höchstens in Stereo-Ton kopieren. DVD-Audio-Tonträger lassen sich hingegen üblicherweise auf dem Computer weder anhören noch kopieren. DVD-Audio-Tonträger sind mit einem Abspiel-/Kopierschutz versehen, der ein Abspielen nur auf den dafür vorgesehenen DVD-Playern zulässt.

Was die CD für Musik ist, ist die DVD für Videos. Der Standarddatenträger DVD hat im Heimkino schon seit Jahren die VHS-Videokassette abgelöst. Dabei konnte die DVD vor allem mit ihrer besseren Bild- und Tonqualität schnell viele Anhänger finden. Mehrere große Hersteller von Heimelektronik haben zusammen mit der Hollywood-Filmindustrie vor einigen Jahren damit begonnen, einen Nachfolger für die DVD zu entwickeln. Am Ende entstanden zwei verschiedene Datenträger für hochauflösende Videos: Die HD-DVD und die Blu-ray Disc. Durchsetzen konnte sich schließlich die Blu-ray Disc, die HD-DVD ist vom Markt verschwunden. Geräte zum Abspielen und Videos auf HD-DVD sind nur noch gebraucht erhältlich.

Blu-ray - Hochauflösendes Video-Wunder mit Nebenwirkungen

Blu-ray-Videos lassen sich nur mit den passenden Blu-ray-Playern abspielen. Normale DVD-Player können mit dem neuen Datenträgerformat nichts anfangen. Um Blu-ray-Filme in hoher Auflösung genießen zu können, benötigt man aber mehr als das passende Abspielgerät. Alle Blu-ray-Videos sind mit einem komplexen Abspiel-/Kopierschutz versehen. Dieser sorgt dafür, dass Sie für die Anzeige des Films in hoher Auflösung einen speziell dafür geeigneten Fernseher oder Monitor benutzen müssen. Das Gerät muss mehrere Kriterien erfüllen: Unterstützung des HDCP-Abspiel-/Kopierschutzes, Bildanzeige in voller HD-Auflösung (Full HD) und Verbindung zum Abspielgerät (oder Computer) über ein HDMI-Kabel.

Selbst, wenn die eigene Geräte-Kombination alle Anforderungen erfüllt, kann der Blu-ray-Filmgenuss immer noch scheitern. Die Blu-ray-Hersteller können nämlich auf den einzelnen Blu-ray-Discs noch weitere Abspiel-/Kopierschutz-Verfahren einsetzen. Wenn dann das Abspielgerät damit nicht zurecht kommt, bleibt der Bildschirm dunkel.

Vor dem Kauf von Blu-ray-Discs sollten Sie sich daher ganz genau davon überzeugen, dass Sie auch die passenden Geräte daheim haben. Im Zweifel können Sie einen Test mit einem Film machen, den sie in der Videothek ausleihen. Das ist allemal billiger als ein Fehlkauf.

Medien-Portale im Internet

Die zentralen Anlaufpunkte für die Beschaffung digitaler Inhalte im Internet sind die verschieden Medien-Portale. Da gibt es auf der einen Seite Geschäfte, Online-Shops genannt, die Musik, Filme, elektronische Bücher und andere digitale Inhalte verkaufen. Auf der anderen Seite gibt es Portale, auf denen Menschen aus aller Welt kostenlos digitale Inhalte – Texte, Musik, Filme, Fotos und so weiter – zum herunterladen anbieten. Diese lassen sich auf dem eigenen Computer speichern, anhören oder ansehen, und meist sogar bearbeiten. Dafür hat sich die Bezeichnung nutzergenerierte Inhalte (englisch: user generated content, kurz UGC) etabliert.

Wo auch immer Sie sich im Internet digitale Inhalte beschaffen, in einem Online-Shop, in einem Portal mit nutzergenerierten Inhalten oder gar in einer Internet-Tauschbörse – Sie müssen in jedem Fall darauf achten, dass alles mit rechten Dingen zugeht! Sehr viele digitale Inhalte sind rechtlich geschützt, durch das Urheberrecht. Deshalb dürfen Film- und Musikdateien in den allermeisten Fällen nur dann im Internet verkauft oder sonst wie weitergegeben werden, wenn die Rechteinhaber zugestimmt haben. Über solche Fragen zum Urheberrecht können Sie sich auf der Website iRights.info informieren (siehe Linkliste).

Kopierschutz, DRM und Wasserzeichen

Sie fragen sich vielleicht, warum die Hersteller es den Verbrauchern so schwer machen, die gekauften Medieninhalte auch zu nutzen. Nun, die Rechteinhaber wollen sicherstellen, dass die Verbraucher die Musikstücke und Filme nicht beliebig kopieren können. Die Rechteinhaber – Filmstudios, Plattenfirmen und so weiter – befürchten, sonst Umsatzeinbußen zu erleiden. Die damit für die ehrlichen Verbraucher verbundenen Probleme bei der Nutzung nehmen sie in Kauf.

Die Musikindustrie hat nach der Jahrtausendwende vielfach versucht, Musik-CDs mit verschiedenen Kopierschutzverfahren zu versehen. Das führte aber oft zu großen Abspielproblemen und am Ende zur Rückgabe der Ware durch die Kunden. Nach und nach haben die Tonträgerhersteller deshalb bei Musik-CDs wieder auf den Kopierschutz verzichtet.

Ähnlich war es auch bei Musikdateien. Dort setzten die Rechteinhaber oder die Betreiber von Online-Shops auf eine Vielzahl von Kopierschutz-Verfahren oder auf Verfahren zum digitalen Rechtemanagement (DRM). Die bekanntesten Verfahren dieser Art sind Apples FairPlay-DRM und Microsofts Windows Media DRM (WMDRM). Diese sorgten dafür, dass sich Musikdateien immer nur auf bestimmten Geräten anhören ließen. Außerdem konnten sie gar nicht oder nur begrenzt kopiert beziehungsweise auf CD gebrannt werden. Auch davon ist die Musikindustrie wieder abgekommen. Heute werden Musikdateien praktisch immer ohne Kopierschutz und DRM angeboten, oft im MP3-Format.

Statt Kopierschutz und DRM kommen jetzt bei manchen Anbietern, zum Beispiel in Apples iTunes-Shop, digitale Wasserzeichen zum Einsatz. Das sind Informationen über die Käufer der Musikdateien, die unhörbar in der Musik versteckt werden. Sollten solche Musikdateien illegal in Tauschbörsen auftauchen, lässt sich der ursprüngliche Käufer anhand des Wasserzeichens einer Datei ermitteln.

Anders als CDs und Musikdateien sind DVDs, Blu-ray-Discs und im Internet käufliche Filmdateien praktisch immer mit Kopierschutz und oft auch mit DRM versehen. Bei ihrer Nutzung sind die Verbraucher daher an spezielle Geräte oder an passende Software für den Computer gebunden.