„Finde deine Freunde, egal wo sie sich aufhalten“

Vertiefung im Thema Soziale Netzwerke
Diese Seite drucken
CC
Soziale Netzwerke (120px)
Facebooks Freundefinder und Datenschutz
„Deine Freunde warten“ – mit dieser und ähnlichen Meldungen animiert Facebook seine Mitglieder den sogenannten „Freundefinder“ zu nutzen. Diese Suchfunktion soll die Nutzer dabei unterstützen, ihre Freundschaftslisten auszubauen. Allerdings birgt der „Freundefinder“ Probleme, denn das Unternehmen sammelt damit Daten und das auch von Nichtmitgliedern – ohne deren Wissen oder Einverständnis.

Der „Freundefinder“

Oft erhalten Facebook-Neulinge auf Anhieb eine Reihe von Freundschaftsvorschlägen. Sei es eine alte Schulkameradin aus der fünften Klasse, der beste Freund oder ein Online-Händler, bei dem man das letzte Weihnachtsgeschenk erstanden hat. Da staunen die neuen Mitglieder nicht schlecht. Woher kennt Facebook bloß all diese Kontakte?!

Die Antwort ist einfach: Aus der Analyse gespeicherter Daten. Denn was die Meisten nicht wissen: Ihre E-Mail-Adresse ist Facebook häufig schon vor der Anmeldung bekannt. Doch wie kann das sein?! Die Funktion „Freundefinder“ macht es möglich. Jemand aus Ihrem Bekanntenkreis, der bereits Facebook-Nutzer ist, hat dem Netzwerk irgendwann die Erlaubnis gegeben, seine Kontaktdaten zu „durchstöbern“ – wie es bei Facebook heißt. Auf diesem Wege hat das Unternehmen Ihre E-Mail-Adresse erhalten und gespeichert.

Diese Daten nutzt das Unternehmen, um Kontaktvorschläge zu generieren. In der Fachsprache ist die Rede von dem „sozialen Graphen“, den das Unternehmen aus den gespeicherten Daten erstellt. Eben damit rechtfertigt Facebook die Datensammlung und meldet: „Viele deiner Freunde sind schon hier“ und „Das Durchsuchen deines E-Mail-Kontos ist der schnellste Weg, um deine Freunde auf Facebook zu finden“.

So gelangt das Netzwerk allerdings auch an die E-Mail-Adressen von Nichtmitgliedern und Menschen, die keinesfalls Mitglied bei Facebook werden wollen. Um ihr Einverständnis, dass ihre Daten importiert, gespeichert und zur Kontaktanalyse verwendet werden, werden diese Menschen nicht gebeten.

Sollten Sie mit dem Gedanken spielen den „Freundefinder“ zur Suche von Kontakten zu verwenden, dann sollten Sie im Hinterkopf behalten, dass es für die einen praktisch erscheinen mag, ihre E-Mail-Adressen oder Kontaktlisten zu synchronisieren und gesammelt im sozialen Netzwerk zu verwalten – für die anderen wiederum stellt dies ein gewichtiges Datenschutz-Problem dar. Viele wollen einfach nicht, dass Ihre Daten in die Hände Dritter gelangen, auch wenn es sich nur um ihre E-Mail-Adresse handelt.

Wie der „Freundefinder“ funktioniert

Mit dem „Freundefinder“ können Sie zum einen nach Kontakten suchen, die bereits im Netzwerk angemeldet sind. Zum anderen besteht die Option, Bekannte, die sich noch nicht registriert haben, zu Facebook einzuladen.

Dazu bietet der „Freundefinder“ verschiedene Möglichkeiten: So können Sie Ihr E-Mail-Adressbuch von Ihrem Computer hochladen (s. Abbildung 1). Oder Sie können Facebook Ihre bei E-Mail-Providern und Instant-Messenger-Diensten, wie z.B. ICQ, gespeicherten Kontakte importieren lassen. Dazu wählen Sie Ihren E-Mail-Anbieter aus und geben in der folgenden Eingabemaske Ihren Benutzernamen und das jeweilige Passwort ein (s. Abbildung 2).

Abbildung 2: Instant-Messenger-Dienste in FacebookAbbildung 2: Instant-Messenger-Dienste in Facebook

Anschließend zeigt Facebook Ihnen, wen Sie einladen können und welche Ihrer E-Mail-Kontakte bereits angemeldet sind. Als nicht registriert werden auch diejenigen Mitglieder angezeigt, die ihr Profil für die öffentliche Suche gesperrt haben (entsprechendes können Sie in den Privatsphäre-Einstellungen festlegen). Diese Mitglieder stellt Ihnen Facebook, genauso wie nicht registrierte E-Mail-Kontakte, zur Auswahl, um sie einzuladen.

Wenn Sie die Einladungsoption des „Freundefinders“ nutzen, können Sie nach dem Import der Kontaktdaten auswählen, wer eine Einladung erhalten soll (Abbildung 3). Hier sollten Sie genau darauf achten, dass Sie nicht versehentlich einen Geschäftspartner einladen – denn dem gewähren Sie damit Zugang zu Ihren bei Facebook freigegebenen persönlichen Informationen und Bildern, die vielleicht nicht für berufliche Kontakte gedacht sind.

Wir raten allerdings dringend davon ab den „Freundefinder“ zu verwenden und Passworte preiszugeben, auch wenn das Unternehmen versichert:

Abbildung 3: Einladung durch den FreundefinderAbbildung 3: Einladung durch den Freundefinder

„Wir werden dein Passwort nach dem Import der Informationen deiner Freunde nicht speichern“.

Ihr Passwort sollten Sie grundsätzlich nirgendwo eingeben, außer bei der dafür vorgesehenen Anmeldemaske Ihres E-Mail- oder Instant-Messaging-Anbieters.

Unser Tipp: Wenn Sie nach Freunden suchen möchten, die bereits Facebook nutzen, verwenden Sie das Suchfeld in der Kopfzeile der Facebook-Website (s. Abbildung 4). Abbildung 4: Suchzeile in FacebookAbbildung 4: Suchzeile in FacebookHier können Sie nach Namen suchen, statt Kontaktdaten zu importieren und sensible Daten wie Passworte anzugeben. Oder schauen Sie doch einfach in den Freundeslisten Ihrer Freunde, oft werden Sie auch hier fündig.

Importierte Kontakte wieder löschen

Haben Sie Facebook Zugang zu Ihren Kontakten gegeben, dann speichert das Netzwerk sämtliche Kontaktdaten. Facebook dazu:

„Wir können die E-Mail-Adressen, die du mithilfe des Importers hochgeladen hast, dazu benutzen, um dir bei der Vernetzung mit deinen Freunden zu helfen. Dies beinhaltet auch das Generieren von Freundschaftsvorschlägen für dich und deine Kontakte auf Facebook. Wenn du nicht möchtest, dass wir diese Informationen speichern, gehe bitte auf diese Seite“.

Über „diese Seite“ ermöglicht Facebook, die importierten Kontaktdaten zu entfernen (s. Abbildung 5).

Abbildung 5: Löschen von KontaktenAbbildung 5: Löschen von Kontakten

Das gilt auch für Informationen, die über eine Handy-Applikation (kurz App), wie zum Beispiel „FriendSync“ für das iPhone, hochgeladen wurden. Mit dieser App werden die auf dem iPhone gespeicherten Kontakte direkt mit der Freundesliste auf Facebook synchronisiert – dazu gehören weitreichende Informationen wie Fotos, vollständige Namen oder Geburtstage. Das Importieren dieser detaillierten Kontaktdaten von vornherein zu verbieten, ist nicht möglich.

Pikant ist, dass Nichtmitglieder nichts von der Speicherung Ihrer personenbezogenen Daten erfahren, so lange ihnen niemand per E-Mail eine Facebook-Einladung sendet. Denn wer zuvor nichts mit dem Netzwerk zu tun hatte, dürfte überrascht sein, eine Nachricht von Facebook im E-Mail Postfach zu finden. Das ist dann der sichere Hinweis, dass diese Kontaktdaten von einem Bekannten zu Facebook hochgeladen wurden. Aber auch Personen, die nicht bei Facebook registriert sind, haben die Möglichkeit, die von sich gespeicherten Daten nachträglich zu löschen. So heißt es in den Richtlinien:

„Wenn dein Freund oder deine Freundin nicht möchte, dass wir seine/ihre Informationen speichern, werden wir sie auf seinen/ihren Antrag hin, der mithilfe dieser Hilfeseite eingereicht wurde, ebenfalls entfernen".

Dort können die Betroffenen angeben: „Ich habe KEIN Facebook-Konto und möchte nicht, dass Facebook meine Informationen weiterhin speichert“ (s. Abbildung 6).

Abbildung 6: Aus Facebook-Datenbank eigene Adressdaten löschenAbbildung 6: Aus Facebook-Datenbank eigene Adressdaten löschen

Diese Einstellung hat allerdings nur solange Bestand, bis wiederum jemand anderes aus Ihrem Bekanntenkreis seine Kontaktdaten Facebook zum „durchstöbern“ freigibt. Dann landen Nichtmitglieder erneut unfreiwillig und unwissentlich im Datenpool des Netzwerks. Auch darauf verweist das Unternehmen in seinen Richtlinien:

„Wenn uns ein Nutzer deine E-Mail-Adresse bekannt gibt, du kein Facebook-Nutzer bist und deine Adresse gelöscht werden soll, kannst du dies auf dieser Hilfeseite tun. Ein entsprechendes Ersuchen kann jedoch nur für Adressen gestellt werden, die uns zum Zeitpunkt der Anfrage vorliegen und nicht für Adressen, die uns Nutzer zu einem späteren Zeitpunkt zur Verfügung stellen“.

Sollten Sie von einem Bekannten eingeladen worden sein, wollen aber keinesfalls Mitglied bei Facebook werden, dann finden Sie im Kleingedruckten der Einladung die Möglichkeit, weitere Nachrichten von Facebook abzubestellen. In Zukunft erhalten Sie dann keine weiteren Benachrichtigungen. Das Unternehmen muss dann allerdings Ihre E-Mail-Adresse speichern, um künftige Einladungen abzufangen. Einen direkten Verweis auf die Löschung Ihrer Kontaktdaten wie Geburtsdatum oder Namen gibt es in der Einladungsmail nicht, deshalb sollten Sie Ihre persönlichen Informationen wie oben beschrieben separat aus der Datenbank entfernen.

„Schau Dir meine Fotos auf Facebook an – von dir ist bestimmt auch eins dabei“

So wirbt Facebook in Einladungsmails für das Anlegen eines Nutzer-Kontos. Das unter den Fotos „sicher auch eins“ von der eingeladenen Person ist, ist nicht unwahrscheinlich. Denn in der Tat ist es möglich, dass Mitglieder auch Personen, die nicht im Netzwerk registriert sind, mit vollem Namen auf Fotos markieren. Allerdings erfahren nicht bei Facebook registrierte Personen davon nichts.

Viele Menschen wollen aus persönlichen Gründen nicht, dass wahllos Bilder von ihnen im Internet kursieren. Wenn Sie bei Facebook ein Bild hochladen wollen, sollten Sie deshalb gut überlegen, ob eine Person, die womöglich auf dem Foto dargestellt ist, damit einverstanden wäre, dass Sie ein Bild von ihr veröffentlichen oder diese Person sogar namentlich markieren.

Vorsicht bei Einladungen oder Freundschaftsanfragen

Grundsätzlich vorsichtig sein sollten Sie bei Einladungen und Freundschaftsanfragen von Fremden. Bestätigen Sie diese, hat die Person schließlich Zugriff auf Ihre für Facebook-Freunde freigegebenen Profildaten. Zudem kann es sich um Konto-Inhaber handeln, die Phishing betreiben. Diese können Ihnen unseriöse Nachrichten senden oder über vertrauens- oder neugiererweckende Links versuchen sensible Daten, wie Passwörter, auszuspionieren.

Wir empfehlen deshalb, solche Anfragen genau zu prüfen und gegebenenfalls in den Privatsphäre-Einstellungen einzuschränken, inwieweit man als Facebook-Mitglied von der Suchfunktion berücksichtigt werden möchte.