Kopierschutz und digitales Rechtemanagement im Alltag 1: Digitale Musik

Vertiefung im Thema Digitale Inhalte nutzen
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MP3-Player (120px)
Musik unter Kontrolle
Mit Kopierschutz und digitalem Rechtemanagement kommen Nutzer digitaler Medien tagtäglich in Kontakt. Sie benutzen diese Technik zwar permanent, aber eher beiläufig. Unsere Serie zeigt, wo sich Kopierschutz und DRM überall verbergen, und welche Konsequenzen das hat. In Teil 1 geht es um digitale Musik.

Kopierschutz und DRM für Musik-CDs

Als die Audio-CD eingeführt wurde, gab es für die Käufer keine Möglichkeit, Musik in großem Umfang digital zu kopieren. Ein Kopierschutz-Standard wurde daher für Musik-CDs nicht vorgesehen. Mit dem Aufkommen von CD-Brennern änderte sich die Situation schlagartig. Mit einem Mal konnte praktisch jeder zu Hause Musik digital ohne nennenswerte Qualitätsverluste kopieren. Bei rasch sinkenden Preisen für CD-Rohlinge ließen sich ganz legal preiswerte Privatkopien für Freunde und Verwandte anfertigen.

Die Musikindustrie reagierte darauf und begann, verschiedene Kopierschutzverfahren auszuprobieren. Das Problem mit allen Verfahren ist, dass sie zu Musik-CDs führen, die nicht mehr dem ursprünglichen CD-Standard genügen. Denn die Kopierschutzverfahren manipulieren die auf der CD gespeicherten Daten, so dass sie von einem PC nicht mehr korrekt gelesen werden können. Eine Folge davon ist, dass die Original Musik-CD auch nicht mehr mit allen CD-Playern abspielbar sind. Besonders teure CD-Player und auch solche in Musikanlagen fürs Auto reagieren oft mit Fehlermeldungen. Auch das digitale Kopieren von Musik-CDs auf DAT oder MD scheitert häufig am Kopierschutz der CD.

Kennzeichnungspflicht

Der Gesetzgeber hat vor einigen Jahren im Urheberrechtsgesetz vorgeschrieben, dass kopiergeschützte Datenträger wie CDs und DVDs deutlich zu kennzeichnen sind. So sollen Verbraucher darüber informiert werden, dass sich die Medien unter Umständen nicht abspielen lassen. Leider gibt es keine gesetzliche Vorgabe zur Gestaltung einer leicht erkennbaren Kennzeichnung. Im Prinzip kann daher jeder Hersteller mit einem anderen Hinweis arbeiten.

Zwar halten sich die Hersteller überwiegend an die gesetzliche Kennzeichnungsvorgabe, aber doch nicht immer. Es kann durchaus passieren, dass eine nicht gekennzeichnete CD trotzdem mit einem Kopierschutz versehen ist. Fehlt ein Hinweis auf den Kopierschutz, darf die CD als mangelhaft gelten und dem Käufer steht ein Recht auf Umtausch oder Rückgabe zu.

In vielen Fällen findet sich auch nur ein winziger Hinweis auf den Kopierschutz irgendwo im Booklet, dem Begleitheft der CD, oder auf der Rückseite, der aber leicht übersehen werden kann. Lässt sich eine so gekennzeichnete CD nicht richtig abspielen, muss der Käufer auf die Kulanz des Händlers hoffen. Einen Anspruch auf Umtausch oder Erstattung hat er nach Meinung von Experten bislang nicht.

Kopierschutz und DRM für mobile Abspielgeräte

Mit der massenhaften Verbreitung von mobilen Abspielgeräten für digitale Musikdateien wie mobilen MP3-Playern wurden Kopierschutz und DRM zu Alltagsbegriffen. Es gibt viele verschiedene Hersteller von Abspielgeräten oder -software, die ihrerseits unterschiedliche Kopierschutz- und DRM-Verfahren unterstützen. Für Käufer von Musik hat das zur Folge, dass sich die Musik aus Online-Shops oft nicht mit allen Abspielgeräten verträgt oder nur mit bestimmter Abspielsoftware benutzen lässt.

Apple: FairPlay

An allererster Stelle ist hier wegen des großen Marktanteils Apple mit seinen iPod-Abspielgeräten und dem iTunes-Musik-Portal zu nennen. Apple verwendet zum Speichern der Musik das Verfahren „Advanced Audio Coding“ (AAC). Die AAC-Musikdateien werden, wenn es die Rechteinhaber der Musik verlangen, mit einem von Apple selbst entwickelten DRM-Verfahren geschützt, das sich „FairPlay“ nennt.

Mit „FairPlay“ geschützte Dateien lassen sich nur mit der iTunes-Software oder auf Abspielgeräten der iPod-/iPhone-Familie anhören, da Apple anderen Herstellern keine Lizenzen erteilt. War der „FairPlay“-DRM-Schutz für Musik vor einigen Jahren noch Standard beim iTunes Store, sind seit April 2009 sämtliche Dateien im Apples neuem iTunes Store „iTunes Plus“ DRM frei.

iPod von AppleiPod von Apple

Der iPod ist wiederum nicht in der Lage, Dateien mit Microsofts WMA-DRM abzuspielen. Hinzu kommt dass über den iTunes-Store gekaufte und heruntergeladene Dateien nur auf fünf Computern installiert sein können, wozu sie beim Kopieren der jeweiligen Dateien über einen Internetzugang freigeschaltet werden müssen. Die gekauften Musikstücke können inzwischen jedoch auf beliebig vielen iPods oder CDs gespeichert werden.

Auf den seit Anfang April 2010 ausgelieferten iPad-Geräten setzt Apple FairPlay ein, um elektronische Bücher gegen unerlaubtes Kopieren und andere, nicht genehmigte Nutzungen abzusichern.

Microsoft: WMA-DRM und Zune-DRM

Die meisten Anbieter mobiler MP3-Player unterstützen neben dem ungeschützten MP3-Format auch Dateien im Format „Windows Media Audio“ (WMA) mit DRM. Die Geräte werden normalerweise mit dem von Microsoft entwickelten Logo „Plays for Sure“ versehen. Es gibt viele unterschiedliche Musik-Portale im Internet, die Musik für Geräte anbieten, die WMA-DRM unterstützen; Apples iTunes-Shop gehört nicht dazu. Mit Apples iTunes kann auch nur WMA Musik die DRM-frei ist, importiert werden. Diese wird in das AAC-Format umgewandelt und kann dann abgespielt werden.

Microsoft folgt seit Ende 2006 Apples Beispiel und bietet eigene Abspielgeräte für Musik und andere Medieninhalte an. Die „Zune“ getauften Geräte spielen Musik in den Formaten MP3, AAC ohne DRM und WMA ohne DRM beziehungsweise mit einem speziell für den Zune entwickelten DRM ab. Das ebenfalls von Microsoft entwickelten WMA-DRM wird von Zune-Geräten nicht unterstützt. Zune-Geräte können Musik zu anderen Zune-Geräten drahtlos übertragen. Dabei sorgt das eingebaute DRM-System dafür, dass die Lieder maximal drei Mal und auch das nur innerhalb von drei Tagen abgespielt werden können.

In Deutschland sind die Zune-Geräte bisher nicht offiziell erhältlich.

Sony: ATRAC mit DRM

Auch der Unterhaltungselektronik-Hersteller Sony bietet seit Langem mobile Abspielgeräte für Musikdateien an. Über mehrere Jahre hinweg verzichtete Sony allerdings auf die Unterstützung von MP3 und setzte stattdessen exklusiv auf das Dateiformat „Adaptive Transform Acoustic Coding“ (ATRAC), das ursprünglich für die MiniDisc entwickelt worden war. Das entsprechende Online-Musik-Portal „Connect“, wo ATRAC-Dateien von Sony verkauft wurden, wurde von Sony wegen Erfolglosigkeit geschlossen.

ATRAC verfügt über ein eigenes DRM, das weder mit dem von Apple noch mit dem von Microsoft zusammenarbeitet. Die begrenzte Unterstützung von Audioformaten ließ Sonys Marktanteil bei mobilen Abspielgeräten stark schrumpfen und das Unternehmen schließlich einlenken. Neuere Geräte unterstützen neben ATRAC mit DRM auch MP3, WMA und AAC ohne DRM.

Ohne Kopierschutz und DRM: MP3 & OGG

Das allseits beliebte MP3-Format wurde vor zwanzig Jahren vom Fraunhofer Institut ganz ohne Kopierschutz entwickelt. Es hat sich als Standardformat etabliert, das praktisch von allen Geräten unterstützt wird.

Mit OGG Vorbis steht eine lizenzkostenfreie MP3-Alternative aus dem Open-Source-Lager zur Verfügung. Sie hat bisher aber vergleichsweise wenig Verbreitung gefunden.

Kopierschutz für Digital Audio Tape und MiniDisc: SCMS

Gegen Ende der achtziger Jahre wurden digitale Aufnahmegeräte wie Digital Audio Tape (DAT) und MiniDisc (MD) für Endverbraucher erschwinglich. Wichtigste Quelle für digitale Aufnahmen waren Musik-CDs. Um zu verhindern, dass digitale Kopien beliebig oft ohne weiteren Qualitätsverlust kopiert werden, wurde in den USA 1992 per Gesetz für DAT- und MD-Rekorder ein Kopierschutzverfahren namens „Serial Copy Management System“ (SCMS) vorgeschrieben. Dieses Verfahren haben Hersteller in aller Welt für ihre DAT- und MD-Rekorder übernommen.

MiniDisc von SonyMiniDisc von Sony

Das SCMS erlaubt nur einmalige Digitalkopien (die so genannte „1. Generation“) von einer digitalen Quelle; eine digitale Kopie einer digitalen Kopie (die so genannte „2. Generation“) wird aktiv verhindert. Der Verbraucher bekommt in diesem Fall üblicherweise eine Fehleranzeige auf dem Aufnahmegerät angezeigt.

SCMS stellt eine Art Zwischending zwischen Kopierschutz und DRM dar, da es das Kopieren zwar einschränkt, aber nicht vollständig verhindert. DAT- und MD-Rekorder für den professionellen Bereichen gestatten es in der Regel, das SCMS ein- oder abzuschalten.

Die Einführung von Kopierschutzverfahren für Musik-CDs hat zu Problemen mit dem SCMS geführt. Obwohl normalerweise eine digitale Kopie der ersten Generation möglich sein sollte, scheitert diese oft am Kopierschutz auf der CD.

Kopierschutz für Super Audio Compact Disc und DVD-Audio

Die Super Audio Compact Disc (SACD) und die DVD-Audio waren beide als Nachfolger der CD gedacht. Sie speichern Musik in wesentlich höherer Auflösung als Musik-CDs.

Aus der Erfahrung mit Musik-CDs heraus wurden beide hochauflösenden Musik-Formate von Anfang an mit verschiedenen Kopierschutzverfahren ausgestattet. Das machte es für die Hersteller von Abspielgeräten allerdings teurer und komplizierter, entsprechende Geräte anzubieten. Auch war die Nachfrage nach Musik in höherer Auflösung als auf CD sehr begrenzt. Vermutlich hat das Zusammenwirken dieser Faktoren dazu geführt, dass beide Formate bisher keine größeren Anteile am Musikmarkt gewinnen konnten.

Der Kopierschutz fängt bei der SACD damit an, dass sich die Musik nicht in hoher Auflösung in einem PC-Laufwerk auslesen lässt und geht weiter damit, dass es keine SACD-Brenner zu kaufen gibt. Der eigentliche Abspielschutz der SACD ist mehrstufig und technisch aufwendig. Dabei kommen unter anderem digitale Wasserzeichen und Verschlüsselungsverfahren zum Einsatz.

Nur wenige SACD-Abspielgeräte geben die auf SACD-Scheiben gespeicherte Musik in hoher Auflösung digital aus, und wenn, dann nur verschlüsselt. Zudem gibt es auf dem Markt nur wenige Verstärker, die verschlüsselte Musik von SACD-Playern entschlüsseln können.

CPPM

Auch auf dem Konkurrenzprodukt zur SACD, der DVD-Audio, kommt ein Kopierschutz zum Einsatz. Es handelt sich dabei um „Content Protection for Prerecorded Media“ (CPPM). Das Verfahren funktioniert ähnlich wie bei hochauflösenden Videos und ermöglicht es, Geräten das Abspielen von Neuerscheinungen zu verwehren, wenn die Geräte von den Rechteinhabern als unsicher eingestuft wurden.

Der CPPM-Schutz ist einige Jahre nach Erscheinen geknackt worden, so dass sich Musik von DVD-Audio prinzipiell in hoher Auflösung kopieren lässt. Wegen des gesetzlichen Verbots der Umgehung von Kopierschutzmaßnahmen ist das aber in Deutschland und vielen anderen Ländern illegal.

Hybriden

Sowohl von SACD als auch von DVD-Audio sind mittlerweile Hybrid-Varianten im Angebot. Diese kombinieren hochauflösendes und normales Format so, dass man sie auch ohne spezielle Abspielgeräte nutzen kann. Eine Hybrid-SACD kann also mit einem normalen CD-Player gehört werden und eine Hybrid-DVD-Audio auch mit einem normalen DVD-Player. Selbstverständlich wird die Musik in diesem Fall nur mit einfacher Auflösung abgespielt.