Kopierschutz und digitales Rechtemanagement im Alltag 2: Filme und Videos

Vertiefung im Thema Digitale Inhalte nutzen
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Kopieren verboten
Seit Filmproduktionen als Video Einzug in die Haushalte gehalten haben, gibt es Kopierschutzverfahren für unterschiedlichste Filmformate. Bei den Nachfolgern der Videokassette - DVD, HD-DVD und Blu-ray-Disc - wurde der Kopierschutz zunehmend ausgebaut. Wir erklären Ihnen im zweiten Teil unserer Kopierschutz-Serie, worauf Sie für ein ungetrübtes Filmvergnügen achten müssen.

Kopierschutz für analoge Video-Kassetten

Obwohl die DVD schon weite Verbreitung erfahren hat, gibt es in vielen Haushalten noch bespielte Videokassetten, die vor Jahren gekauft wurden. Wer solche Videokassetten beispielsweise mit einem DVD-Rekorder auf DVD überspielen möchte, wird in der Regel mit einem Kopierschutz konfrontiert.

Der Macrovision-Kopierschutz („Analog Copy Protection“, kurz ACP, auch als „Analog Protection System“, kurz APS, bekannt) baut Störsignale in das für den Fernseher gedachte analoge Video-Signal ein. Während der Fernseher diese Störungen ignoriert, lassen sich viele Videorekorder und auch manche DVD-Rekorder davon irritieren. Sie zeichnen dann nur ein verzerrtes Bild auf. Hochwertige Videokarten für den PC haben mit den Macrovision-Störungen oft kein Problem. Sie können Störungen im Videosignal automatisch heraus filtern. Videokassetten mit Macrovision-Kopierschutz tragen normalerweise eine entsprechende Kennzeichnung auf der Verpackung.

Kopierschutz für DVDs

So gut wie alle im Handel erhältlichen DVDs sind mit einem oder mehreren Kopierschutzverfahren ausgestattet. Üblicherweise kommt ein Kopierschutzverfahren im digitalen Bereich zum Einsatz und ein weiteres im analogen Bereich. Durch diesen Doppelschutz sollen sowohl digitale als auch analoge Kopien verhindert werden. Der analoge Kopierschutz arbeitet dabei ähnlich wie der für analoge Videokassetten und verhindert die Aufzeichnung des Films mit einem gewöhnlichen, analogen Videorekorder.

Von Hause aus sind die kommerziell vertriebenen DVDs mit einem digitalen Abspielschutz versehen. Das „Content Scramble System“ (CSS) soll gewährleisten, dass sich DVDs nur auf dafür autorisierten DVD-Playern abspielen lassen. Im Zusammenspiel mit dem DVD-Brenner und den im Handel erhältlichen DVD-Rohlingen sorgt CSS aber auch dafür, dass sich DVDs nicht kopieren lassen. Mit der Verabschiedung eines neuen CSS-Standards sollen in Zukunft auch Filme kopierbar gemacht werden. Zum Kopieren wird man dann aber einen neuen Brenner und spezielle Rohlinge benötigen.

Da sich der CSS-Schutz auf dem PC sehr einfach durch im Internet erhältliche Software umgehen lässt, verwenden die DVD-Hersteller im Auftrag der Rechteinhaber oft zusätzliche Kopierschutzverfahren wie zum Beispiel RipGuard von Macrovision. Da solche Verfahren zum Teil tief in die Betriebssystemabläufe auf dem PC eingreifen, sind sie für den Anwender nicht ohne Risiko und deshalb umstritten. Sicherheitslücken in der Kopierschutz-Software können die Sicherheit des Computers gefährden. Gelegentlich kommt es auch vor, dass Standard-DVD-Player das Abspielen einer so geschützten DVD verweigern, weil sie einen Defekt vermuten.

Regionalcodes

Neben dem Kopierschutz gibt es auf vielen DVDs noch einen speziellen Abspielschutz, der als „Region Code“ (deutsch Regionalcode, manchmal auch Ländercode) bezeichnet wird. Mit Hilfe der Regionalcodes wollen Filmstudios und Verleiher die weltweite Verbreitung und Verwertung ihrer Filme kontrollieren.

Dazu wurde die Welt von den großen Filmstudios in mehrere Zonen oder Regionen eingeteilt, die von eins bis sechs nummeriert wurden. Die USA und Kanada fallen beispielsweise in Region 1, die EU liegt in Region 2. Je nachdem, für welche Region ein Film auf DVD gedacht ist, wird er entsprechend markiert. DVD-Player werden ebenso auf bestimmte Region festgelegt und sollen nur in der ihnen zugeteilten Region vertrieben werden. Neben den Codes für geografische Regionen gibt es weitere Codes für spezielle Einsatzzwecke (zum Beispiel in Reisebussen und Flugzeugen), so dass insgesamt neun Regionalcodes existieren.

Das Regionalcode-Konzept sieht vor, dass DVDs sich nur in der für sie gedachten Region abspielen lassen. Legt man eine DVD für Region 1 in einen Player in Region 2 ein, so verweigert dieser das Abspielen. So soll unter anderem verhindert werden, dass sich aus den USA importierte DVDs in Westeuropa abspielen lassen. Denn in Europa sind Filme zum Teil noch nicht im Kino gelaufen, wenn sie in den USA schon auf DVD erhältlich sind. Lediglich Filme, die den Regionalcode 0 tragen, lassen sich mit allen DVD-Playern abspielen.

Das Regionalcode-Konzept für DVDs sieht vor, dass sich der Regionalcode eines Abspielgerätes einige wenige Male ändern lässt, bis die letzte Einstellung dauerhaft beibehalten wird. Das ermöglicht es in Einzelfällen, auch einmal eine DVD anzusehen, die eigentlich für eine andere Region bestimmt ist. Sowohl die DVDs als auch die DVD-Player sind mit einer Kennzeichnung versehen, die den Regionalcode angibt. Das entsprechende Logo zeigt einen stilisierten Globus in einem Viereck. Der Globus trägt in seiner Mitte ein Kästchen mit einer Zahl für den Regionalcode.

Auch wenn der DVD-Player die Regionalcodes unterstützt und die entsprechende DVD abspielt, kann es trotzdem vorkommen, dass statt des Films nur weißer Schnee über den Bildschirm flimmert. Der Grund dafür kann sein, dass Abspiel- und Anzeigegerät – zum Beispiel der DVD-Player und der Fernseher – nicht mit dem Videosignal des Films auf der DVD zu Recht kommt. Ein mit der in Europa weit verbreiteten Fernsehnorm PAL („Phase Alternating Line“) oder der in den USA verbreiteten Fernsehnorm NTSC („National Television Systems Committee“) aufgezeichneter Film lässt sich nämlich nicht auf einem Fernseher ansehen, der nur die französische SECAM-Norm („Séquentiel couleur à mémoire“) unterstützt und umgekehrt. Ein PAL-Film braucht einen PAL-fähigen Abspieler und ein PAL-fähiges Anzeigegerät. Das gilt entsprechend auch für die NTSC- und SECAM-Standards und muss besonders bei der Nutzung importierter DVDs berücksichtigt werden.Einige Abspielgeräte unterstützen inzwischen mehrere Standards, was Sie in der Bedienungsanleitung nachlesen können.

Kopierschutz für hochauflösende Videos

Für hochauflösende Videos hat sich der Datenträger Blu-ray-Disc durchgesetzt. Das konkurrierende Format HD-DVD ist nach einer kurzen Vermarktungsphase mangels Unterstützung durch die Filmindustrie wieder eingestellt worden. Dass sich die Blu-ray-Disc gegenüber der HD-DVD durchgesetzt hat, ist auch darauf zurückzuführen, dass die Blu-ray-Disc die leistungsfähigeren Kopierschutzmaßnahmen bietet.

Im Vergleich zur DVD ist der Kopierschutz für die beiden hochauflösenden Video-Formate HD-DVD und Blu-ray stark ausgebaut worden. Neben dem schon von der DVD bekannten Regionalcode-System wurden zusätzlich neue Kopierschutzsysteme entwickelt. Die großen Hollywood-Studios hatten darauf bestanden und angekündigt, andernfalls ihre Filme nicht in hoher Auflösung bereitzustellen. Im Unterschied zu DVDs kommen bei Blu-ray Discs statt neun wie bei der DVD nur drei Regionalcodes zum Einsatz.

Für die Blu-ray-Disc wurde von Anfang an die Möglichkeit vorgesehen, Filme legal zu kopieren. Dafür ist eine gesonderte Genehmigung vom Rechteinhaber einzuholen. Diese Genehmigung wird in der Regel über eine Internetverbindung zu einem Lizenzdienst erteilt.

Ein Kopierschutzverfahren, das sowohl bei der HD-DVD als auch bei der Blu-ray Disc eingesetzt wird, ist das „Advanced Access Content System“ (AACS). AACS stellt eine Weiterentwicklung des bei DVDs verwendeten CSS dar. Für die Blu-ray-Disc steht zusätzlich noch ein Verfahren namens „BD+“ zu Verfügung. Sehen wir uns nun die Techniken im Einzelnen an.

HDMI und HDCP

Damit die hochauflösenden Videos von Fernseher, Projektor oder PC-Monitor angezeigt werden können, müssen die Geräte über einen speziellen Anschluss verfügen, das „High-Definition Multimedia Interface“ (HDMI) mit „High-bandwidth Digital Content Protection“ (HDCP). Über den HDMI-Anschluss werden die Signale vom Abspielgerät mit HDCP verschlüsselt übertragen und erst im Anzeigegerät wieder entschlüsselt. Ohne einen HDCP-fähigen HDMI-Anschluss am Anzeigegerät lassen sich die Filme entweder gar nicht oder nur in verringerter Auflösung ansehen. Um die Auflösung künstlich zu verringern, wird dabei gegebenenfalls eine Technik namens „Image Constraint Token“ (ICT) eingesetzt.

Bei der Anschaffung eines Fernsehers auf dem Sie Filme auf Blu-ray Discs in hoher Auflösung ansehen wollen, müssen Sie daher darauf achten, dass das Gerät einen HDMI-Anschluss mit HDCP-Unterstützung hat. Andernfalls werden Sie statt des Films nur eine Fehlermeldung oder ein niedrig aufgelöstes Bild zu sehen bekommen.

Wollen Sie Blu-ray-Filme am PC sehen, müssen Ihre Grafikkarte und Ihr Monitor jeweils HDCP unterstützen. Die Verbindung der Geräte erfolgt wahlweise über den HDMI-Anschluss oder den gebräuchlicheren DVI-D-Anschluss (DVI steht für „Digital Visual Interface“). Beachten Sie aber, dass nicht alle PCs oder Monitore den Kopierschutz HDCP für den DVI-Anschluss unterstützen. In diesem Fall erhalten Sie dann eine Fehlermeldung von Ihrer Abspielsoftware.

Advanced Access Content System (AACS)

Wie bei der DVD werden Filme auf Blu-ray-Disc oder HD-DVD verschlüsselt gespeichert. In einem komplexen Zusammenspiel zwischen Abspielgerät und Medium (Blu-ray-Disc oder HD-DVD) wird der zum Entschlüsseln benötigte Schlüssel ermittelt. Wird dieser Prozess erfolgreich abgeschlossen, lässt sich der Film entschlüsseln. Sollte ein Abspielgerät die Verwendung illegaler Schlüssel erlauben, beispielsweise wegen eines Programmierfehlers, so können neu erscheinende Videos für dieses Gerät gesperrt werden. Ein Abspielen solcher Medien wäre dann nicht mehr möglich.

Grundsätzlich könnte eine solche Sperre durch die Aktualisierung der zum Abspielen verwendeten Software wieder aufgehoben werden. Die Praxis muss aber erst noch zeigen, wie die Hersteller und Filmstudios auftretende Probleme handhaben werden.

BD+

Bei BD+ handelt sich um ein ausgewachsenes DRM-System, das zusätzlich zu AACS zum Einsatz kommt. Mit BD+ kann das nicht autorisierte Kopieren von Blu-ray-Filmen verhindert werden. Mit BD+ ist es den Rechteinhabern aus der Filmindustrie außerdem möglich, das Abspielen einer Blu-ray-Disc beispielsweise nur für einen begrenzten Zeitraum, nur in Teilen, oder nur auf bestimmten Abspielgeräten zu erlauben. BD+ läuft als Software-Lösung auf dem Abspielgerät und kann zusätzliche Software von Blu-ray-Discs laden.

Bei Bedarf kann die Unterstützung für neue Versionen von BD+ durch eine Aktualisierung der Software des Abspielgeräts (Firmware) nachgerüstet werden. Das kann nötig werden, wenn Blu-ray-Filme mit einem neuen BD+-Schutz ausgeliefert werden. Die Firmware-Aktualisierung muss der Hersteller des Abspielgeräts bereitstellen. Im Handbuch Ihres Geräts können Sie nachlesen, wie Sie für die Aktualisierung vorzugehen haben. Viele Abspielgeräte laden diese automatisch, wenn sie mit dem Internet verbunden sind.