Kopierschutz und digitales Rechtemanagement im Alltag 3: Speicherkarten

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Speicherkarten mit Schloss
Mit Kopierschutz und digitalem Rechtemanagement kommen Nutzer digitaler Medien tagtäglich in Kontakt. Unsere Serie zeigt, wo sich Kopierschutz und DRM überall verbergen, und welche Konsequenzen das hat. In Teil 3 geht es um Speicherkarten.

Kopierschutz und DRM für Speicherkarten

Sie stecken in Mobiltelefonen, digitalen Fotoapparaten, aktuellen Videokameras oder auch in manchen E-Book-Lesegeräten und MP3-Abspielgeräten: digitale Speicherkarten. Die kleinen Speicherwunder für den großen Datenhunger gibt es in den unterschiedlichsten Ausführungen, von Compact Flash über xD bis hin zu SDXC.

Den wenigsten Nutzern dürfte bewusst sein, dass manche Typen mit ausgefeilten Kopierschutzmechanismen oder Unterstützung für digitales Rechtemanagement (DRM) ausgestattet sind. Damit ist es bei solchen Karten grundsätzlich möglich, die Anzahl der Zugriffe auf die darauf gespeicherten Daten zu kontrollieren. So kann beispielsweise verhindert werden, dass eine DRM-geschützte Datei mehr als dreimal gelesen oder mehr als einmal kopiert wird. Oder es kann verhindert werden, dass Daten auf einer Speicherkarte von unterschiedlichen Geräten gelesen werden können.

In der Praxis kommen die DRM-Fähigkeiten von Speicherkarten allerdings bisher so gut wie nie zum Einsatz. Das liegt daran, dass sich der Verkauf von Musik oder Filmen auf solchen Speicherkarten nie auf dem Markt durchgesetzt hat.

Im Folgenden werden die zwei am weitesten verbreiteten Speicherkarten-Typen mit Kopierschutz beziehungsweise DRM-Unterstützung vorgestellt. Andere Speicherkarten mit technischen Schutzverfahren haben sich nicht in der Breite durchsetzen können. Einzig die direkten Nachfolger der MultiMedia-Card (MMC) – unter anderem MMCmobile, MMCplus, MMCmicro – verfügen optional über DRM-Unterstützung. Diese Karten sind aber in der Praxis kaum anzutreffen und über eine Nutzung der DRM-Fähigkeiten gibt es praktisch keine Informationen.

Magic Gate für Memory Sticks von Sony

Sony hat ein eigenes Format für Speicherkarten entwickelt, den Memory Stick (MS). Von diesem gibt es fast ein Dutzend Ausführungen mit unterschiedlicher Leistung, in verschiedenen Baugrößen und mit unterschiedlicher Speicherkapazität. MS-Speicherkarten können in Sony-Geräten oder in handelsüblichen Multi-Speicherkartenlesern/-schreibern eingesetzt werden. Welche MS-Varianten Ihr jeweiliges Gerät unterstützt, können Sie der Bedienungsanleitung entnehmen.

Memory Stick Duo von SonyMemory Stick Duo von Sony

Auf fast allen Memory Sticks ist ein von Sony entwickeltes Kopierschutzverfahren namens "MagicGate" installiert. MagicGate ist in der Lage, das Kopieren von Musikdateien von einem MS beispielsweise auf einen PC zu verhindern. Dazu müssen die Musikdateien allerdings zuvor mit einer speziellen Software und einem speziellen Schreib-/Lesegerät auf den MS kopiert worden sein. Werden Dateien stattdessen ganz normal kopiert, dann greift der MagicGate-Kopierschutz nicht. Die Dateien können dann problemlos wieder vom MS auf ein anderes Gerät kopiert werden.

MagicGate-Lese-/Schreibgerät von SonyMagicGate-Lese-/Schreibgerät von Sony

Secure Digital Memory Card (SD-Card)

Die SD-Card ist technisch gesehen eine Weiterentwicklung der ursprünglichen MultiMedia-Card (MMC). SD-Karten verfügen im Unterschied zu klassischen MMC-Karten über ein eingebautes DRM-Verfahren mit dem Namen Content Protection for Recordable Media (CPRM). CPRM wurde ursprünglich entwickelt, um das Kopieren von digitalen Inhalten zu kontrollieren und ist verwandt mit dem Kopierschutz Content Protection for Pre-Recorded Media (CPPM) für Audio-DVDs.

Es gibt inzwischen eine ganze SD-Card-Familie. Bei den Baugrößen unterscheidet man zwischen der klassischen SD-Card, der MiniSD-Card und der MicroSD-Card. Alle Baugrößen gibt es zudem noch mit unterschiedlichen Speichergrößen, als (Standard-)SD, SDHC und SDXC. HC steht dabei für "high capacity" (hohe Kapazität) und XC für "extra high capacity" (besonders hohe Kapazität). Welche der genannten Ausführungen Ihr jeweiliges Gerät unterstützt, können Sie der Bedienungsanleitung entnehmen.

Auswahl von SD-KartenAuswahl von SD-Karten

Die meisten SD-Karten verfügen über einen kleinen, mechanischen Schreibschutz-Schalter. Damit können Sie verhindern, dass darauf gespeicherte Daten versehentlich überschrieben werden. Wer zum Beispiel viel mit der Digitalkamera fotografiert, kann die vollen SD-Karten gleich zur Archivierung der Originalfotos benutzen. In diesem Fall sollten Sie den Schreibschutz einzuschalten.

SD-Karten und Windows Phone 7

Alle SD-Card-Bauformen sind mit CPRM ausgerüstet. Bis vor kurzem gab es dafür praktisch keine Anwendungen. Weder digitale Fotoapparate noch Mobiltelefone machten von den DRM-Fähigkeiten der SD-Karten Gebrauch. Mit der Einführung von Mobiltelefonen mit Microsofts Betriebssystem Windows Phone 7 (WP7) hat sich das allerdings geändert.

Mobiltelefone mit WP7 nutzen die DRM-Fähigkeiten von SD-Karten, um die Speicherkarte an das Telefon zu binden. Das bedeutet, dass SD-Karten, die in einem WP7-Telefon formatiert wurden, oder damit ausgeliefert wurden, ausschließlich in diesem Gerät verwendet werden können.

Microsoft selbst sagt dazu auf seinen Support-Seiten: "Falls das Windows Phone 7-Gerät eine SD-Karte enthält, sollten Sie diese als festes Teil des Telefons ansehen, nicht als herausnehmbaren Speicher. Das Windows Phone 7-Betriebssystem behandelt die SD-Karte als fest integrierten Teil des Telefons. Dies ist anders als bei anderen Geräten, bei denen Sie eine SD-Karte jederzeit verwenden können, um den verfügbaren Speicher zu erhöhen oder um Dateien auf andere Geräte zu übertragen. Das Betriebssystem des Telefons integriert die SD-Karte fest in das Telefon."

Auf anderen Geräten – auch auf anderen WP7-Telefonen – können Daten weder von der SD-Karte gelesen noch darauf geschrieben werden. Die Karten können noch nicht einmal mit einem handelsüblichen Kartenleser/-schreiber neu formatiert werden.

Rettung dank Symbian

Einem Bericht der englischsprachigen Website Engadget zufolge gibt es allerdings doch eine Möglichkeit, eine SD-Karte aus einem WP7-Mobiltelefon durch Formatieren auch für andere Geräte nutzbar zu machen. Dazu muss die Karte in einem Mobiltelefon mit Symbian-Betriebssystem formatiert werden.

Beachten Sie aber bitte, dass mit dem Formatieren alle Daten auf der SD-Karte verloren gehen und Sie die Karte in diesem Zustand nicht mehr in Ihrem Windows-Phone-7-Mobiltelefon verwenden können.