Nackt im sozialen Netzwerk?

Einführung im Thema Soziale Netzwerke
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Soziale Netzwerke (120px)
Achten Sie auf Ihre persönlichen Daten
Soziale Netzwerke sind beliebt. Immer mehr Menschen nutzen sie. Private Profile, Fotos und Nachrichten halten Freunde auf dem Laufenden. Freunde halten sich jedoch nicht nur untereinander up-to-date. Für die persönlichen Profile gibt es viele Interessenten. Es gilt, die eigene Privatsphäre zu schützen!

Soziale Netzwerke wie Facebook, MySpace, LinkedIn, Xing, SchülerVZ/StudiVZ/MeinVZ, Wer-kennt-wen und so weiter haben sich etabliert. Facebook beispielsweise hat inzwischen mehr als eine Milliarde Mitglieder. Auch deutschsprachige Netzwerke wie Xing, StayFriends, der Netzwerkverbund SchülerVZ/StudiVZ/MeinVZ oder Lokalisten werden immer noch genutzt. Gerade junge Menschen nutzen intensiv all diese Netzwerke.

Die privaten Informationen der Mitglieder erwecken die sozialen Netzwerke zum Leben. Das heißt, Hobbys, Lieblingsfilme und -bücher, Musikgeschmack, Partyfotos etc. Auf Fotos können sich Freunde untereinander namentlich markieren. Neue Informationen werden sofort für alle Freunde und manchmal auch für andere sichtbar.

Für die oftmals sehr detaillierten, persönlichen Informationen gibt es viele Interessenten. Diese kommen aber nicht – wie oft angenommen – nur aus dem eigenen Freundeskreis. Der Netzwerkbetreiber benutzt die privaten Daten, um Werbung zu verkaufen. Aber auch unangenehme Gestalten wie Stalker oder Mobber könnten normale Mitglieder aus der Ferne belästigen, wenn der Betroffene keine Sicherheitsvorkehrungen trifft.

Wichtig: Mitglieder sind in sozialen Netzwerken nicht immer ungestört!

Bisher verkaufen die Netzwerkbetreiber keine Information weiter. Realität ist jedoch, dass Personalabteilungen Profile von Bewerbern in sozialen Netzwerken prüfen können.

Wichtig: Informationen verbreiten sich blitzschnell im sozialen Netzwerk!

Unter Umständen interessiert sich auch die Presse für private Details: Der Spiegel hat in seiner Ausgabe 10/2009 berichtet, dass ein „Bild“-Reporter anhand der Informationen eines StudiVZ-Mitgliedes eine Titelstory verfasste. Der Schutz der Privatsphäre der betroffenen Person stand dabei sicherlich nicht im Vordergrund.

Wichtig: Informationen in sozialen Netzwerken können das reale Leben betreffen!

In sozialen Netzwerken hinterlassen deren Mitglieder über Jahre hinweg persönliche Spuren im Internet. Sind einem Mitglied später eingestellte Äußerungen oder Fotos peinlich, dann kann es sehr schwierig werden, diese Spuren wieder zu verwischen.

Wichtig: Informationen in sozialen Netzwerken können nicht immer vollständig vernichtet werden!

Gut anziehen!

Sobald jemand Informationen über sich im Internet preisgibt, sind sie nicht mehr unter seiner Kontrolle. Deshalb sollten Internetnutzer stets darauf achten, dass sie:

Nur das Nötigste preisgeben
Gibt ein Mitglied mehr Information (z.B. Telefonnummer, Hobbys und so weiter) ein, so verlassen auch mehr Information seinen Kontrollbereich. Einmal im Internet veröffentlichte Informationen sind schwer zu entfernen.
Zugriffsmöglichkeiten für Fremde einschränken
So kann jeder Fremde vom Besuch des eigenen Profils ausschließen. Die Optionen sind in den meisten sozialen Netzwerken sehr vielfältig und sollten genau angesehen werden.
Die AGBs und Datenschutzerklärung des jeweiligen Netzwerkbetreibers lesen
Jeder sollte sich klar machen, was genau mit seinen Daten passiert – bevor er sich anmeldet. Ggf. sollte er sich gegen den Dienst entscheiden. Achtung: Es gab bereits Versuche von Netzwerkbetreibern die Nutzungsbedingungen nachträglich abzuändern. Dabei wollte der Anbieter nach dem Austreten eines Mitgliedes sämtliche seiner Daten weiterhin verwahren. Jeder sollte darauf achten, ob sich der Anbieter das Ändern der Nutzungsbedingungen vorbehält.

Um den Mitgliedern sozialer Netzwerke beim sicheren „Netzwerken“ zu unterstützen, hat eine EU-Initiative für Datenschutz Empfehlungen für Netzwerkbetreiber erarbeitet.

Betreiber sozialer Netzwerke haben zudem mit der „Freiwilligen Selbstkontrolle Multimedia“ einen Verhaltenskodex zum Jugend- und Datenschutz erarbeitet. Bis zum März 2009 unterzeichneten bereits die Betreiber von SchülerVZ/StudiVZ/MeinVZ, Wer-kennt-wen sowie die Lokalisten diese Vereinbarung. Des Weiteren wurde von vielen internationalen Netzwerkbetreibern die Selbstverpflichtung zum Jugendschutz der EU unterschrieben.

Aber nicht nur die Netzwerkbetreiber sind dazu aufgerufen sich fair zu verhalten. Dies gilt auch für alle Mitglieder der sozialen Netzwerke. Bösartige Nachrichten, Bilder, Videos und so weiter zählen nicht zur Freundschaftspflege. Im Gegenteil: Mit solchen bösartigen Inhalten werden Persönlichkeitsrechte von Menschen verletzt! Umfassende Informationen zu Persönlichkeitsrechten in sozialen Netzwerken bietet das Portal irights.info an.

Mitglieder, die ein solches Verhalten bei anderen bemerken, sollten dies umgehend beim Betreiber des Netzwerkes melden!

Beliebte Dienste sozialer Netzwerke

Soziale Netzwerke bieten viele Dienste an, mit deren Hilfe sich Freunde austauschen können. Jeder kann die Herausforderungen zum Schutz der Privatsphäre bewältigen, denen er beim „Netzwerken“ begegnet. Die folgenden Richtlinien sollten berücksichtigt werden:

Eigene Seite / eigenes Profil
Jeder sollte genau bestimmen, wer diese Information sehen darf. Fremde sollten die privaten Fotos nicht angucken können. Die meisten Mitglieder möchten auch nicht, dass ihre Kontaktdaten gesammelt werden und anschließend Werbung von Dritten im Briefkasten landet.
Kontaktverwaltung
Mit Hilfe der Kontaktverwaltung können Mitglieder ihre Freunde ins Netzwerk einladen. Sie können auch Freunde im Netzwerk finden und zu einer Freundesliste hinzufügen. Einladungen von Fremden sollte jeder genau prüfen. Deren Vertrauenswürdigkeit lässt sich nicht problemlos einschätzen. Eine unbedachte Zusage der Freundschaft hätte womöglich einen ungewollten Profilzugriff zur Folge.

Einige soziale Netzwerke bieten die Option an, automatisch Freunde einzuladen. Dazu nutzen sie die Adressbücher von E-Mail-Konten des Mitglieds. Dieser Dienst ist jedoch nicht unbedenklich. Mitglieder müssen das Passwort für ihre E-Mail-Konten preisgeben.

Wer Freunde suchen kann, kann auch von anderen gefunden werden. In der Regel können Mitglieder einstellen, inwieweit sie von der Suchfunktion berücksichtigt werden sollen. Dies kann sinnvoll sein, wenn Mitglieder nicht von Fremden gefunden werden wollen.

Pinnwand, Gästebuch, Gruppen, Nachrichten, Chats, Rundruf
Mitglieder können Nachrichten jeglicher Art schreiben und bekommen. Nimmt jemand seine Privatsphäre auf die leichte Schulter, können Spam und Phishing auch in sozialen Netzwerken zum Problem werden. Je nachdem welche Kontakte ein Mitglied in seine Freundesliste aufgenommen hat, können auch unseriöse Mitteilungen oder Neugier erweckende Links eintreffen. Unter Umständen kann es sich dabei um Phishing-Versuche handeln.
Jedes Mitglied sollte auch darauf achten, was es selbst in eine Nachricht schreibt. Pinnwand- oder Gruppeneinträge können oftmals auch von Fremden gelesen werden.
Fotos und andere Medien
Gerade bei Fotos sollten die Zugriffseinstellungen genau festgelegt werden. Es könnte unangenehm werden, wenn der Chef die kommentierten Bilder („Chefchen hat aber viel getankt“) der letzten Betriebsfeier sieht. Fotos können auch durch andere Mitglieder ins Netzwerk gelangen. Freunde können sich untereinander namentlich markieren. Dadurch kann jeder alle Fotos seiner Freunde schnell finden. Sollten diese Fotos nicht den eigenen Vorstellungen entsprechen, kann jeder zumindest in aller Regel seine Markierung löschen. Bei einem diskriminierenden Bild kann der Betroffene beim Netzwerkanbieter einen Missbrauch melden. Ein faires Mitglied fragt eine fotografierte Person, ob es das Bild im Netzwerk zeigen darf, um deren Persönlichkeitsrechte zu respektieren. Wenn sich alle daran halten, kommt es erst gar nicht zu unangenehmen Bildern.

Achtung Urheberrecht: Gerade bei Fotos und anderen Medien, wie zum Beispiel Videos und Musik, muss jeder darauf achten, kein urheberrechtlich geschütztes Material seinem Profil hinzuzufügen. Rechtlich gesehen gilt ein Profil in einem sozialen Netzwerk als öffentlich. Somit sind sich deren Mitglieder auch mit rechtlichen Risiken konfrontiert. Das Portal iright.info klärt unter anderem über rechtliche Risiken in sozialen Netzwerken auf.

Zusatzapplikationen
Zusätzliche Applikationen sind zum Beispiel kleine Spiele oder andere Gimmicks. Aus Sicht des Datenschutzes sind solche Applikationen jedoch nicht unbedenklich. Bindet das Mitglied eine Applikation im eigenen Profil ein, dann stimmt es zu, dass der Anbieter der Applikation (nicht unbedingt der Betreiber des sozialen Netzwerkes) Zugriff auf das eigene Profil erhält. Somit können private Daten in die Hände eines Dritte gelangen, der dann beispielsweise gezielt werben kann.
Automatische Benachrichtigungen
Manche sozialen Netzwerke zeigen allen Freunden sofort eigene Profiländerungen an. Ein Mitglied sollte sich im Klaren sein, dass dabei alle Freunde der Kontaktliste informiert werden und nicht nur einige wenige. Jeder sollte selber wissen, ob er eine Trennung von einem langjährigen Lebensgefährten gleich allen Kontakten mitteilen will.

Gute Erklärungen in Bezug auf Zugriffseinstellungen der vielen Dienste verschiedener sozialer Netzwerke zeigt die Webseite Watch Your Web.

Abschließende Tipps

Beim Eintritt in ein soziales Netzwerk sollte sich jeder nicht nur genau überlegen, welche Daten er preisgeben will. Jeder sollte auch unbedingt ein sicheres Passwort vergeben. Ein unsicheres Passwort kann zum Kontrollverlust über die eigenen Profildaten führen. Schlimmer noch ist ein möglicher Identitätsdiebstahl. Das heißt, eine bösartige Person könnte sich eine falsche Identität aneignen – und zwar die des eigentlichen Profilinhabers! Das Passwort sollte deshalb zusätzlich in regelmäßigen Abständen vom Mitglied geändert werden.

Insbesondere wenn Mitglieder einen fremden Computer (z.B. in einem Internetcafé) zur Freundschaftspflege einsetzen, dürfen sie nicht vergessen sich am Ende auszuloggen. Andernfalls könnte auch hier ein Fremder das Profil missbrauchen.

Hat ein Mitglied beschlossen ein soziales Netzwerk zu verlassen, sollte das Profil ordnungsgemäß gelöscht und nicht einfach nur stillgelegt werden. Andernfalls ist unklar, was der Netzwerkbetreiber zukünftig z.B. durch eine AGB-Änderung, der nicht widersprochen wird, mit dem Profil anstellt. Unter Umständen verkauft er die Daten an Dritte, zum Beispiel an die Werbeindustrie weiter.

Schickt der Betreiber des sozialen Netzwerkes einen Hinweis auf eine bevorstehende Änderung der AGBs, so sollte niemand diese einfach ignorieren. Solche Änderungen können die eigenen persönlichen Daten betreffen! Facebook-Mitglieder hatten schon einmal gegen nicht hinnehmbare Änderungen protestiert. Mit Erfolg: Facebook hatte daraufhin die Änderungspläne wieder zurückgezogen.