BKA-Studie: Kinder und Jugendliche surfen oft leichtsinnig

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Kinder und Jugendliche nutzen illegale Websites häufiger, wenn sie besser über die Absicherung von Computern Bescheid wissen. Das ist eines der Ergebnisse einer jetzt veröffentlichten Befragung im Auftrag des Bundeskriminalamtes. Um das Risikobewusstsein ihrer Sprösslinge zu schärfen, sollten Eltern deshalb deren Internetnutzung besser überwachen.

Wissen schützt vor Leichtsinn nicht. Das gilt zumindest für das Online-Verhalten von Kindern und Jugendlichen, fanden Forscher der Universität Landau im Auftrag des Bundeskriminalamtes (BKA) heraus. Für die Studie befragt sie insgesamt 1.271 Schülerinnen und Schüler im Alter zwischen 12 und 20 Jahren.

Risikoverhalten

Von den befragten Schülerinnen und Schülern erklärten rund 80 Prozent, den Familien-Computer zu nutzen, selbst wenn sie über einen eigenen Computer verfügten. Das BKA wollte nun genauer wissen, wie das Risikoverhalten dieser Befragten (832 von 1.271) aussieht. Dafür sollten die Probanden insgesamt 17 Fragen aus drei Komplexen mit Werten von 0 ("trifft überhaupt nicht zu") bis 3 ("trifft voll und ganz zu") beantworten. Abgefragt wurden "Sorgfalt und Gründlichkeit im Umgang mit dem Computer", "Sorgloses oder riskantes Verhalten im Umgang mit Mails und Links" und der "Besuch illegaler Seiten und Software-Piraterie".

Stadtpiraten

Wenig überraschen dürfte die Feststellung, dass sich "Jungen im Umgang mit dem Computer weniger sorgfältig verhalten als Mädchen". So besuchen sie häufiger illegale Websites und beteiligen sich häufiger an so genannter "Software-Piraterie". Befragte aus der Stadt sind dabei aktiver als ihre Altersgenossen aus dem ländlichen Raum.

Insgesamt wurde der Umgang der Befragten mit dem Computer als mittelmäßig riskant und sorglos eingestuft. Am vorsichtigsten verhalten sich die Schüler beim Umgang mit E-Mails und Links. In diesem Bereich sei "die Ausprägung riskanten Verhaltens vergleichsweise gering", stellen die Autoren der Studie fest.

Nachlässige Rechnerabsicherung

Deutliche Defizite zeigten sich bei der Absicherung der benutzten Computer. Zwar hatten immerhin 90 Prozent auf dem gemeinsam mit anderen Familienmitgliedern benutzten Computer eine Antiviren-Software installiert. Aber bei fast der Hälfte (45 Prozent) der Befragten war das auch schon alles, was an Schutzmaßnahmen vorhanden war. Lediglich rund 10 Prozent gaben an, zusätzlich auch eine Firewall zu nutzen. Spam-Filter und/oder Anti-Spyware-Programme kamen bei nicht einmal einem Drittel zum Einsatz.

Wissensmängel

Zusätzlich zum sicherheitsrelevanten Verhalten wollten die Autoren der Studie herausfinden, wie es um das sicherheitsrelevante Wissen der Schülerinnen und Schüler bestellt ist. Dazu sollten neun Fragen beantwortet werden, beispielsweise nach der Aufgabe einer Firewall.

Bei diesem Test schnitten die Mädchen aller Klassenstufen deutlich schlechter ab als die Jungen. Ebenfalls mangelhafte Kenntnisse wurden bei denjenigen Befragten festgestellt, die eine Hauptschule besuchen.

Schlechte Erfahrungen?

Für die Untersuchung wurden die Schülerinnen und Schüler ebenfalls nach schlechten Erfahrungen ("Viktimisierungserfahrungen") befragt. Konkret ging es um Virusmeldungen, Geldverlust beim Online-Banking, den unerlaubten Zugang auf ein eBay-Konto und den Erhalt von Rechnungen für nicht bestellte Waren oder Dienstleistungen.

Am häufigsten wurde über Virusmeldungen berichtet (58 Prozent). Rechnungen für nicht bestellte Waren oder Dienstleistungen hatten 10 Prozent erhalten, bei drei Prozent war das eBay-Konto missbraucht worden und bei 1,5 Prozent war Geld von einem Online-Konto verschwunden. Nach Angaben der Befragten war die Anzahl entsprechender Vorfälle bei Familienmitgliedern noch höher.

Sorglosigkeit und/oder Abenteuerlust

Bei der Auswertung der Befragungsergebnisse kamen die Forscher zu dem Ergebnis, dass ein sorgfältigerer Umgang mit dem Computer "mit dem zunehmenden Besuch illegaler Seiten und mit Software-Piraterie" einhergeht. Einen vergleichbaren Zusammenhang konnten sie auch zwischen dem Stand des sicherheitsrelevanten Wissens und dem Besuch illegaler Seiten sowie Software-Piraterie beobachten.

Bei der Interpretation ihrer Beobachtungen zeigen sich die Experten vorsichtig. Sie vermuten, dass Erfahrung und Know-how bei den Jugendlichen dazu führen könnten, dass "das wachsende Wissen […] auch dafür genutzt wird, neue Verhaltensweisen, die potenziell sicherheitsgefährdend sind, auszuprobieren." Alternativ sehen die Autoren der Studie auch die Möglichkeit, dass "die Kinder und Jugendlichen gerade deswegen über das abgefragte Wissen verfügen, weil sie sich explorativ verhalten und im Internet vieles ausprobieren, was diese Studie als riskantes Verhalten einstuft."

Mangelnde Aufsicht durch die Eltern könnte das riskante Verhalten begünstigen. Allgemein war die Risikowahrnehmung besonders bei denjenigen eher gering ausgeprägt, die weniger unter Aufsicht standen. Die Autoren der Studie empfehlen daher auch, "das Risikobewusstsein der Eltern zu schärfen", nicht nur das der Schülerinnen und Schüler.