Yahoo: "Do Not Track" ist tot.

Datenspuren im Netz (60px)
Yahoo erklärt das Opt-Out Verfahren zu verhaltensbasierter Werbung für tot.

Die Annahme, dass Konzerne deren Geschäftsbereiche im Internet verortet sind, ein generisches Interesse daran haben, den eigenen Kunden ein Mindestmaß an Privatheit zuteil werden zu lassen ist schlichtweg absurd.

Yahoo, der Konzern, der sich noch 2012 dadurch hervor tat den Do-Not-Track (DNT) - Header in den Browsereinstellungen des oder der NutzerIn beachten zu wollen, und gleichsam für eine Standardisierung eintrat, erklärte in einem Blog-Beitrag vor zwei Tagen, am 30.4.2014, dass diese Einstellung künftig nicht mehr berücksichtigt wird.

Die Begründung liest sich freilig wie bestes Orwellsches Sprech, in dem Yahoo das Problem auf den Kopf stellt: Mit dem Brustton der Überzeugung wird proklamiert, dass das beste aller Netze ein personalisiertes sei. Für wen allerdings, bleibt offen.

Yahoo hatte sich noch 2012 dafür stark gemacht, das als Opt-Out bezeichnete Verfahren, d.h. auf expliziten Kundenwunsch das Surfverhalten nicht zu protokollieren, als Standard zu etablieren. Der zahlenmäßige Zuspruch der Firmen, die sich diesem Ansatz verpflichtet fühlen verblieb im kargen. Insbesondere bundesrepublikanische Werbevermarkter sind dort mit der Lupe zu suchen.

Selbstverständlich sind jene Marktbereiche, die in wirtschaftlicher Konkurrenz existieren - also ausnahmslos alle - auch jene, in denen eine ethisch richtige Entscheidung Privatsphäre zu achten zur betriebswirtschaftlich nachteiligen geraten kann oder gar muss. Wenn wir uns selbst die Frage stellen, bei welchem Werbenetzwerk wir eher Anzeigen platzieren würden - bei einem, dass die Privatsphäre der NutzerInnen achtet, oder bei einem, dass durch die explizite Nichtbeachtung des DNT-Header potentiell mehr Kunden generiert, dann fällt die Antwort wohl 'betriebswirtschaftlich richtig' aus.

Im Falle Yahoos zumindest macht der Aktienkurs am Tage der Verlautbarung einen kleinen Luftsprung: von $35.82 auf $36.26 und bestätigt mein diffuses Gefühl, dass Privatsphäre und Betriebswirtschaft zwei Kontrahenten bleiben.